RennwLottG 2021: Wie Deutschland Pferdewetten reguliert

Paragraphenzeichen vor deutschem Rennbahn-Hintergrund zur Regulierung von Pferdewetten

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Ein Gesetz von 1922, das 2021 endlich ankam

Wenn mir jemand erzählt, der deutsche Pferdewetten-Markt sei unreguliert, weiß ich sofort, dass die Person das Rennwett- und Lotteriegesetz nicht kennt. Das RennwLottG stammt in seiner Grundfassung aus dem Jahr 1922, wurde ein Jahrhundert lang immer wieder angepasst und hat mit der Novelle 2021 eine Modernisierung erfahren, die das Gesetz endlich in das digitale Zeitalter gebracht hat. Für Wettende ist es das Gesetz, das bestimmt, wer in Deutschland Pferdewetten anbieten darf, wie hoch die Steuer ausfällt und welche Regeln für Totalisator und Buchmacher gelten.

Der historische Rahmen seit 1922

Das Rennwett- und Lotteriegesetz von 1922 entstand in der Weimarer Republik aus dem Bedürfnis, den deutschen Rennwett-Markt zu ordnen und den Staat an den Einnahmen zu beteiligen. Die Kernidee: Pferdewetten in Deutschland laufen primär über den Totalisator – ein System, in dem der Veranstalter die Wetten organisiert, der Staat eine Steuer erhebt und die Wettenden untereinander in einem Pool spielen. Buchmacher für Pferdewetten waren lange nur unter strengen Auflagen zugelassen, und der Totalisator blieb die dominante Form.

Über die Jahrzehnte wurde das RennwLottG mehrfach angepasst – an den EU-Binnenmarkt, an die Digitalisierung, an neue Wettformen. Aber die Grundstruktur blieb bis 2021 im Wesentlichen unverändert: Pferdewetten als Sonderform des Glücksspiels, reguliert durch ein bundesweites Gesetz, nicht durch die Länder-Glücksspielverträge. Diese Sonderstellung ist der Grund, warum Pferdewetten in Deutschland anders behandelt werden als Sportwetten auf Fußball oder Tennis – sie haben ihre eigene gesetzliche Grundlage.

Die historische Besonderheit des RennwLottG liegt in seiner Verbindung zum Rennvereinswesen. Das Gesetz war von Beginn an so konstruiert, dass ein Teil der Wettsteuer an die Rennvereine zurückfließt – als Förderung des Pferderennsports. Diese Konstruktion hat den deutschen Turf über hundert Jahre wirtschaftlich getragen und ist bis heute wirksam. Das Rennwett- und Lotteriesteuer-Aufkommen in Deutschland betrug 2023 insgesamt 2,471 Milliarden Euro – allerdings aus allen Wett- und Lotterie-Segmenten zusammen, nicht nur aus Pferdewetten.

Die Novelle 2021: Was sich änderte

Die Novelle des RennwLottG trat am 1. Juli 2021 in Kraft – zeitgleich mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag der Länder. Die wichtigsten Änderungen betrafen drei Bereiche: Steuer, Lizenz und digitale Wettannahme.

Erstens: Die Rennwettsteuer stieg von 5,0 auf 5,3 Prozent des Wetteinsatzes abzüglich der Steuer selbst. Die Erhöhung war moderat, aber spürbar – bei einem Jahres-Wettumsatz von 30 Millionen Euro bedeuten 0,3 Prozentpunkte rund 90.000 Euro Mehrsteuer für die Branche. Für den einzelnen Wettenden ist die Erhöhung in der täglichen Abrechnung kaum bemerkbar, über eine Saison mit vielen Tickets summiert sie sich aber zu einem messbaren Kostenfaktor.

Zweitens: Die Lizenzpflicht für Pferdewetten-Buchmacher wurde modernisiert. Vor 2021 operierten viele Anbieter in einer Grauzone zwischen EU-Lizenz und deutschem Sonderstatus. Die Novelle stellte klar, dass Pferdewetten-Buchmacher in Deutschland eine eigene Genehmigung benötigen und sich den Regeln des RennwLottG unterwerfen müssen. Diese Klärung war überfällig und hat den Markt transparenter gemacht – auch wenn die praktische Durchsetzung hinter der gesetzlichen Klarstellung noch zurückbleibt.

Drittens: Die Regelungen für die digitale Wettannahme wurden explizit verankert. Das RennwLottG von 1922 kannte keine Apps, keine Websites und keine Online-Pools. Die Novelle 2021 brachte die gesetzliche Grundlage für Online-Totalisator-Wetten, Online-Buchmacher-Wetten und die technische Zusammenführung von stationären und digitalen Pools. Für Wettstar, pferdewetten.de und Racebets war das eine längst überfällige Legalisierung ihrer digitalen Geschäftsmodelle.

Die Novelle hat auch die Stellung des Totalisators gestärkt. Der Totalisator-Betrieb – also das Pool-basierte Wettsystem – bleibt das Kernprodukt des deutschen Pferdewetten-Marktes und genießt nach wie vor einen regulatorischen Vorzug gegenüber dem reinen Buchmacher-Modell. Das liegt in der Konstruktion begründet: Der Totalisator speist über seinen Abzug direkt in das Rennvereins- und Zuchtfördersystem ein, während Buchmacher-Wetten diese direkte Rückführung nicht haben. Der Überblick der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen setzt diese Novelle in den Gesamtkontext.

Das Verhältnis zum Glücksspielstaatsvertrag

Das RennwLottG und der Glücksspielstaatsvertrag der Länder sind zwei parallele Regulierungsebenen. Das RennwLottG ist Bundesrecht und regelt spezifisch Pferdewetten und Lotterien. Der GlüStV ist Länderrecht und regelt Sportwetten, Casino-Spiele, virtuelle Automatenspiele und Poker. Pferdewetten werden vom GlüStV nicht erfasst – sie sind explizit aus dem Anwendungsbereich herausgenommen.

Diese Parallelstruktur hat praktische Konsequenzen. Die GGL – die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder – ist für die Aufsicht über Sportwetten zuständig, hat aber keine Zuständigkeit für reine Totalisator-Wetten auf Pferderennen. Für Pferdewetten-Buchmacher, die auch Sportwetten anbieten – wie pferdewetten.de AG – ergibt sich eine doppelte Regulierung: Sportwetten unterliegen dem GlüStV und der GGL, Pferdewetten dem RennwLottG und der jeweiligen Landesaufsicht. Die GGL hat in einer Mitteilung zum IAGA Summit Berlin formuliert, ein zentrales Thema der Aufsichtspraxis bleibe das Spannungsfeld zwischen der Schaffung eines attraktiven legalen Angebots zur Kanalisierung und der Erreichung der Spielerschutz-Ziele des Glücksspielstaatsvertrags.

Für Wettende ist die Unterscheidung meist unsichtbar – man bettet, die App funktioniert, die Abrechnung stimmt. Aber für den regulatorischen Hintergrund ist sie entscheidend: Pferdewetten sind in Deutschland stärker in den Rennvereinsbetrieb eingebettet als jede andere Wettform, und diese Einbettung ist gesetzlich gewollt. Wer am Totalisator spielt, spielt in einem System, das vom Gesetz getragen wird – nicht nur toleriert.

Was die Praxis heute bedeutet

In der Praxis bedeutet das RennwLottG 2021 für Wettende vor allem drei Dinge. Erstens: Wer bei einem in Deutschland regulierten Anbieter spielt – Wettstar, pferdewetten.de – hat eine gesetzliche Absicherung, die Graumarkt-Anbieter nicht bieten können. Zweitens: Die 5,3 Prozent Wettsteuer sind ein fixer Kostenfaktor, der in jede Renditeberechnung einfließt. Drittens: Die Sonderstellung der Pferdewetten gegenüber Sportwetten ist nicht nur historisch, sondern geltendes Recht – und sie hat Konsequenzen für die Spielerschutz-Instrumente, die Anbieter-Landschaft und die wirtschaftliche Struktur des deutschen Turfs.

Die praktische Auswirkung auf den Wettalltag ist gering – man wettet, man gewinnt oder verliert, man zahlt die Steuer über den Anbieter. Aber die regulatorische Sicherheit, die das RennwLottG bietet, ist ein stiller Vorteil: Wer bei einem lizenzierten Anbieter spielt, hat im Streitfall eine gesetzliche Grundlage – und das ist ein Unterschied, der sich erst dann bemerkbar macht, wenn etwas schiefläuft.

Ein Gesetz, das man kennen sollte

Das RennwLottG ist nicht das spannendste Lesewerk am deutschen Turf – aber es ist das wichtigste. Es legt fest, wer wetten darf, wer anbieten darf, wie viel Steuer gezahlt wird und wohin das Geld fließt. Wer ernsthaft Pferdewetten in Deutschland betreibt, sollte zumindest die Grundzüge kennen – nicht um juristisch zu argumentieren, sondern um zu verstehen, in welchem System man spielt. Das RennwLottG 2021 ist dieses System: modern genug für Apps und Online-Pools, alt genug für eine hundertjährige Tradition, und solide genug, um den deutschen Turf auf absehbare Zeit wirtschaftlich zu tragen.

Häufige Fragen zum RennwLottG

Gilt das RennwLottG auch für Wetten auf ausländische Rennen?

Ja. Das RennwLottG regelt alle Wetten auf Pferderennen, die von in Deutschland ansässigen Anbietern angenommen werden – unabhängig davon, ob das Rennen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder sonst wo stattfindet. Die Wettsteuer von 5,3 Prozent wird auf jeden Einsatz erhoben, der über einen in Deutschland lizenzierten Toto oder Buchmacher läuft. Wer bei einem ausländischen Anbieter ohne deutsche Lizenz wettet, bewegt sich außerhalb des gesetzlichen Rahmens – mit den entsprechenden Risiken für Spielerschutz und Rechtssicherheit.

Wer ist nach RennwLottG Lizenznehmer?

Lizenznehmer nach RennwLottG sind die veranstaltenden Rennvereine für den Totalisator-Betrieb und die zugelassenen Buchmacher für Festquoten-Pferdewetten. In der Praxis bedeutet das: Wettstar als Plattform von Deutscher Galopp betreibt den Totalisator unter der Verbands-Lizenz. Pferdewetten-Buchmacher wie pferdewetten.de AG und andere benötigen eine eigene Genehmigung nach dem RennwLottG. Die Lizenzierung erfolgt durch die zuständige Landesbehörde, nicht durch die GGL, da Pferdewetten nicht unter den Glücksspielstaatsvertrag fallen.

Welche Paragraphen regeln den Totalisator?

Die zentrale Norm für den Totalisator-Betrieb ist Paragraph 1 des RennwLottG, der die Veranstaltung von Totalisator-Wetten bei öffentlichen Pferderennen regelt. Paragraph 11 bestimmt die Höhe der Rennwettsteuer. Paragraph 2 regelt die Zulassung gewerbsmäßiger Pferdewetten-Buchmacher. Die detaillierten Durchführungsverordnungen werden auf Landesebene erlassen, aber die Grundstruktur ist bundeseinheitlich. Wer den Gesetzestext selbst lesen will, findet ihn unter gesetze-im-internet.de mit dem Kürzel RennwLottG.

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